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    Serie "Marschall Murat bei Liebertwolkwitz 1813"


    Die Zinnfigurenserie stellt den Tod des preußischen Dragoners Leutnant Guido von der Lippe bei der Verfolgung des französischen Marschalls Murat während eines Reitergefechts bei Liebertwolkwitz am 14. Oktober 1813 dar. Als Vorlage diente ein Gemälde von Richard Knötel. Die Zeichnung und die Gravur stammt von Dr. G. Söllner.


    Diorama der Serie "Marschall Murat bei Liebertwolkwitz 1813"

    Meine Anmerkungen zu dieser Serie:
    Immer wenn ich in Bohns "Deutschlandgeschichte von 1806 - 1815" hineinschaue, faszinierte mich Richard Knötels Bild von dem französischen Marschall Murat in der Reiterschlacht bei Liebertwolkwitz zwei Tage vor dem eigentlichen Beginn der Völkerschlacht bei Leipzig.
    Ich fand diese Szene, in der der preußische Leutnant Guido von der Lippe von den Neumärkischen Dragonern bei der Verfolgung des Marschalls Murats, durch dessen Stallmeister Narcisse Pouleur den Tod findet, ideal zum "Verzinnen". Durch den Jahresbrief der Zinnfigurenfreunde Koblenz von 1997 wurde ich auf Dr. Söllner aufmerksam und setzte mich mit ihm in Verbindung. Meine Idee gefiel Ihm und er übernahm die Zeichnung und die Gravur der Serie. Mit der Fertigstellung der Formen ging für mich ein jahrelanger Traum in Erfüllung. Ich hielt mich bewusst an Knötels Bild, auch wenn in einigen Berichten anstatt des Leutnants Guido von der Lippe von einem Major von Bredow die Rede ist.


    Tod des preußischen Dragoners Guido von der Lippe bei der Verfolgung des
    französischen Marschalls Murat (nach Richard Knötel)

    Joachim Murat wurde am 23. März 1771 in La Bastide als Sohn eines Gastwirts geboren. Auf Wunsch seines Vaters studierte er Theologie in Toulouse, brach jedoch das Studium ab und arbeitete einige Zeit in der Gastwirtschaft seines Vaters. An dieser Arbeit empfand der junge Joachim wenig Freude und so trat er 1790 in die Armee ein, wo er schnell zum Oberst befördert wurde. Im Italienfeldzug Bonapartes 1795 trat er erstmals als unerschrockener Reiterführer in Erscheinung. Bereits 1796 wurde er Brigadegeneral. Murat heiratete am 20.01.1800 Napoleons jüngste Schwester Caroline.
    Im Feldzug um 1800 gegen Österreich tat sich auch Murat in der Schlacht bei Marengo am 14.06.1800 hervor. Bei der Errichtung des Kaiserreichs 1804 durch Napoleon Bonaparte wurde Joachim Murat vom Kaiser zum Marschall von Frankreich ernannt. Damit hatte er den höchsten Dienstgrad in der Armee Napoleons erhalten. In der Schlacht bei Austerlitz am 02.12.1805 befehligte Murat die französische Kavallerie gegen die Verbündeten Russen und Österreicher. Am 15.03.1806 erhob ihn Napoleon zum Großherzog von Berg und Cleve. Nach dem Krieg gegen Preußen im Jahre 1806 schlug er als Oberbefehlshaber der Spanienarmee 1808 den Aufstand von Madrid nieder. Danach wurde Joachim Murat von Napoleon in den Stand des Königs von Neapel erhoben. Im Russlandfeldzug des Jahres 1812 war er Befehlshaber der Reiterei der "Großen Armee".


    Marschall Murat (ES1)

    Auch am Feldzug 1813 nahm er teil und begab sich nach der Niederlage Napoleons bei Leipzig zurück nach Neapel. Murat versuchte sein Königreich zu retten und verbündete sich mit den Feinden Napoleons. Aber nach dem Wiener Kongress war Neapel als Königreich für den Marschall verloren. Aus diesem Grund nahm er nach Napoleons Rückkehr von der Insel Elba wieder Verbindung zu Bonaparte auf. Bitter enttäuscht von Murrats Verrat 1813/1814 wies Napoleon seinen Schwager ab. Anfang des Jahres 1815 begann Murat von Neapel aus, seinen eigenen Krieg gegen die Österreicher. Er verkündigte die Unabhängigkeit Italiens und wurde von den Österreichern in den Kämpfen von Ferrara (12.04.1815) und Tolentino (02.05.1815) zweimal geschlagen. Zunächst flüchtete Joachim Murat am 25.08.1815 nach Korsika und versuchte dann im August des gleichen Jahres, die Stadt Neapel im Handstreich zu nehmen. Diese Unternehmung scheiterte, weil seine Schiffe im Sturm zerstreut wurden. Mit nur wenigen Soldaten wurde er am 08.10.1815 in der Stadt Pizzo nach kurzem Kampf gefangen genommen und bereits am 13.10.1815 standrechtlich erschossen. So fand dieser geniale Reiterführer in Pizzo ein eher unrühmliches Ende.
    Ich selbst bin der Meinung, dass Napoleon nach seiner Rückkehr aus dem Exil nicht auf seinen Schwager hätte verzichten sollen. Diesen hervorragenden Reiterführer hätte er bei Waterloo bitter nötig gehabt und vielleicht wäre die Schlacht mit Ihm zu Gunsten Napoleons entschieden wurden. Aber nun zu den Ereignissen am 14. Oktober 1813.

    Bei der Besichtigung des Schlachtfeldes 187 Jahre nach dem Reitergefecht stelle ich mir immer wieder die gewaltigen Reitermassen vor, die dort aufeinander trafen. Wir schreiben Donnerstag, den 14. Oktober des Jahres 1813. An den Vortagen hatte es stark geregnet und ein heftiger nasskalter Wind fegte über das Land und peinigte die Soldaten in den Biwaks. Napoleon Bonaparte hatte sich den verbündeten Preußen, Russen, Schweden und Engländern bei Leipzig zur Entscheidungsschlacht des Herbstfeldzuges 1813 gestellt. Der Süden Leipzigs war die Schlüsselstellung der Franzosen unter dem Befehl von Marschall Murat. Seine Truppen hielten die Linie zwischen den Dörfern Holzhausen, Liebertwolkwitz, Wachau und Güldengossa. Er hatte 43000 Soldaten zur Verfügung, davon 10000 Mann Reiterei. Der französische Marschall hatte vom Kaiser den Befehl, unter allen Umständen die Stellung zu halten und nach Möglichkeit den Aufmarsch der Verbündeten zu stören. Die verbündeten Preußen und Russen waren der Ansicht, Murat würde sich in Richtung Leipzig zurückziehen und führten eine Frontaufklärung durch. Zu Ihrem großen Erstaunen wurden sie sofort in Kampfhandlungen mit den französischen Truppen verwickelt. Beide Seiten erhielten immer mehr Verstärkung und es kam im Verlauf des Gefechtes zur wohl größten Reiterschlacht des 19. Jahrhunderts. Etwa 10000 Reiter schlugen sich dort zwischen den Dörfern Liebertwolkwitz, Wachau und Güldengossa. Selbstverständlich waren auch andere Truppengattungen beider Seiten in die Schlachthandlungen verwickelt. Da über die Völkerschlacht bei Leipzig schon sehr viel geschrieben wurde, möchte ich auf das Schlachtgeschehen nicht weiter eingehen und beschränke mich mit meinen Ausführungen auf die riesige Reiterschlacht. In Gedenken an dieses Geschehen ist auch meine Zinnfigurenserie entstanden.

    Die Höhe 162,3 bei dem Dorf Güldengossa unweit von Liebertwolkwitz, einem Vorort von Leipzig, befand sich fest in den Händen der Verbündeten. Damit war der heißblütige Murat überhaupt nicht einverstanden. Narcisse Pouleur, der Stallmeister Murats, riet dem Marschall dringend, ein an Schlachten gewohntes Pferd zu reiten.


    Stallmeister Narcisse Pouleur (ES2)

    Dieser ignorierte den gut gemeinten Rat, bestieg einen noch ungehorsamen Schimmel und befahl den Angriff. Alle in seiner Nähe befindlichen Kavallerieeinheiten, ca. 5000 Mann, erhielten den Befehl "Mir folgen!". Es muss ein gewaltiger Anblick gewesen sein, als 5000 Reiter in geschlossener Formation, gegliedert in drei aufeinander folgenden Staffeln mit Murat an der Spitze in den Kampf ritten. Auf der Gegenseite jagten ebenfalls etwa 5000 verbündete Preußen und Russen heran. Die Attacke der Kontrahenten wurde durch den weichen Boden in Ihrer Wucht gebremst. Viele Pferde rutschten aus, stürzten im Morast und begruben Ihre Reiter unter sich. Es kam zu einem erbitterten Nahkampf. In Mitten des Gefechtes der Marschall Murat, von Feind und Freund durch seine phantastische Uniform immer gut zu erkennen. Seine Stabswache hatte alle Hände voll zu tun, ihren Anführer wieder herauszuhauen. Nach einer Ihrer vielen Angriffe wurden die Franzosen zurück geworfen und es waren unter anderem die Neumärkischen Dragoner mit dem Leutnant Guido von der Lippe, die hinter den Franzosen herjagten.


    Leutnant Guido von der Lippe (ES3)

    Der preußische Leutnant ritt weit vor seinen Kameraden voraus, um den Marschall zu töten oder gefangen zu nehmen. Murat und sein Stallmeister mussten mit Ihren Pferden einen Graben überspringen. Jetzt sollte sich die Eigenwilligkeit Murats, entgegen dem Rat Pouleurs ein noch nicht richtig abgerichtetes Pferd zu reiten, beinahe rächen. Der Stallmeister Murats übersprang mit seinem Pferd den Graben problemlos. Sein Befehlshaber hingegen blieb auf der anderen Seite, da sein Schimmel sich hartnäckig weigerte den Graben im Sprung zu überqueren. Inzwischen war Guido von der Lippe schon auf Rufweite an den Marschall heran gekommen. Narcisse Pouleur sah den Preußen, gab seinem Pferd die Sporen und sprang über den Graben zurück. Murat hielt in Erwartung des Angriffs den Säbel in der rechten Faust, jedoch war an eine wirksame Verteidigung nicht zu denken, da er zu sehr mit seinem sträubendem Pferd beschäftigt war. Der Preuße war jetzt schon fast bei Murat, als der Stallmeister eingreifen konnte. Er stieß Guido von der Lippe den Degen in den Leib und der preußische Leutnant viel von seinem Pferd.
    Die Rettung des Marschalls wurde reich belohnt. Vom Kaiser erhielt Narcisse Pouleur das Kreuz der Ehrenlegion. Murat selbst schenkte ihm einen Sack voll Geld, von dem er sich später in Rom ein Haus kaufte und einen Weinhandel eröffnete. Der Wert des Gefechtes ist umstritten. Die französische Kavallerie war angeschlagen, während die Verbündeten ständig Verstärkung erhielten. Die Franzosen behielten allerdings ihre Stelllungen, bauten sie sogar teilweise aus. Die Verbündeten waren nun durch die Ereignisse am 14. Oktober sicher, dass sich Napoleon in der Ebene bei Leipzig zu einer großen Schlacht stellen würde. Zum Schluss möchte ich noch einmal die große Verwegenheit Murats in der Schlacht hervorheben. Napoleon selbst schätzte an seinem Schwager dessen Tollkühnheit im Kampf, hielt aber von seinen strategischen Fähigkeiten nicht viel. Ohne Zweifel hatte der Kaiser mit dieser Einschätzung recht. Auf dem Rückzug aus Russland 1812 hatte Murat den Oberbefehl über die Reste der "Großen Armee" als Napoleon nach Paris abgereist war. Er leistete sich jedoch einige Fehler, was Ihm den Unmut Napoleons eintrug. Die offensichtlichen Mängel an strategischem Verständnis hatte ihre Ursache auch darin, dass Napoleon die absolute Befehlsgewalt innehatte. Aus der Sicht des genialen Feldherren nicht verkehrt, jedoch waren deshalb die französischen Marschälle außerhalb des Schlachtfeldes selbstständiges Handeln nicht gewöhnt.



    Rückseite der Vignette "Marschall Murat bei Liebertwolkwitz 1813"

© 2005 by Marco Moschinski •  m.moschinski@gmx.de